Was ist TR?
Hintergrundgeschichte
4. August 2008, 14:41 Verfasst von Kerensky
Der Reisende
Es war seine zweite Reise ins All, und dieses Mal stellte er einen Rekord auf. Bei seinem ersten Raumflug war er noch die sechste Privatperson im All. Mit diesem Flug war er jedoch als erste Privatperson zweimal ins All gereist.
Der Raumflug erfolgte an Bord des neusten russischen Sojus-Modells, der TMAT-3; das Ziel war die Internationale Raumstation (ISS). Der Reisende verbrachte zwei Wochen mit der dort stationierten Crew, führte Experimente durch und half beim täglichen Betrieb der Raumstation. Bis dahin war die Reise ohne irgendwelche Zwischenfälle verlaufen. Doch auf dem Rückflug sollte sich das ändern.
Alles fing damit an, dass ein elektromagnetischer Energiestoß die primäre Energieversorgung der Sojus traf und die Telemetrie-, Navigations- und Kommunikationssysteme lahmlegte. Die Notversorgung wurde zwar sofort aktiviert, aber sein Schiff befand sich bereits im Blindflug.
Während seine beiden Kosmonauten-Mitreisenden verzweifelt versuchten, die Energieversorgung wiederherzustellen, bemerkte er ein orange-rotes Leuchten im Ringport des Orbitalmoduls. Einen Augenblick lang dachte er, das Raumschiff stünde in Flammen, verwarf den Gedanken aber sofort. Im Vakuum des Weltalls konnte schließlich kein Feuer brennen. Vorsichtig näherte er sich dem Bullauge aus robustem Glas und drehte seinen Kopf nach oben, um etwas erkennen zu können.
Über der Sojus schwebte ein anderes Raumschiff auf Parallelkurs: ein riesiges Alien-Raumschiff, über und über bedeckt mit rankenden Strängen einer blutrot schimmernden, offenbar organischen Substanz. Doch im Vakuum des Alls war auch das unmöglich.
Der Reisende hatte gerade den Mund geöffnet um etwas zu sagen, als ein gewaltiger Ruck das Raumschiff erbeben ließ. Draußen begann das Alienschiff zu pulsieren, wobei das seltsame orangefarbene Leuchten mit jedem Pulsschlag an Intensität zunahm. Jetzt waren auch die beiden Kosmonauten am Bullauge und versuchten trotz des gleißenden Lichts mit zusammengekniffenen Augen zu begreifen, was da draußen vorging.
Ein Strahl desselben orangefarbenen Lichts schoss von der vorderen Spitze des Alienschiffs nach vorne und durchdrang das Gefüge des Alls, das sich verbog ... sich krümmte ... und einen Tunnel aus Licht freigab, der sich ins Unendliche auszudehnen schien.
Wie von einer unsichtbaren Kraft gezogen wurde die Sojus vorangeschleudert und stürzte in den offenen Strudel aus wirbelndem Licht. Der Reisende hatte das Gefühl, wie ein Gummiband gedehnt und gestreckt zu werden ... alles um ihn verschwand in dem endlosen Tunnel ... und tauchte plötzlich mit einem “Plopp” in der Schwärze eines unbekannten Raumes wieder auf.
Das Raumschiff war nun ganz außer Kontrolle und überschlug sich immer und immer wieder! Nur mit Mühe gelang es dem Reisenden, durch das Bullauge tief unter sich den Anblick eines blaugrünen Planeten zu erhaschen, der mit jeder Umdrehung des Raumschiffs größer wurde. Während das Schiff weiter in die Tiefe stürzte, konnte er die Umrisse von Kontinenten ausmachen. Ihre Unvertrautheit erzeugte ein mulmiges Gefühl.
Eine Explosion erschütterte das Raumschiff und schleuderte die drei Passagiere durch die enge Kabine. Der Reisende konnte sich gerade noch an einer an der Bordwand angebrachten Metallsprosse festhalten. Sein Blick fiel instinktiv auf den Wiedereintritts-Höhenmeter am Handgelenk seines Sokol-Raumanzugs. Sie verloren schnell an Höhe, und der Kabinendruck war bereits unter den kritischen Punkt gesunken.
Ein weiterer Ruck, und mit einem gewaltigen Krachen riss der Schiffsrumpf. Er klammerte sich fest an die Metallsprosse. Es gelang ihm, die Luke der Landekapsel zu öffnen, hineinzuklettern, und die beiden Kosmonauten zu sich hochzuziehen. Während die Luke luftdicht verriegelt wurde und der Luftdruck in der Kapsel sich normalisierte, hangelte er sich hinüber zur Steuerkonsole und starrte auf die kyrillischen Schriftzeichen unter den Anzeigen und Schaltern, bis er schließlich fand, was er gesucht hatte.
Lautlos zündeten die Raketentriebwerke der Kapsel und ließen sie vom Mutterschiff weg in die Atmosphäre trudeln, wo die Eintrittsreibung ihr bereits einen Funkenschweif verlieh. Einer der Kosmonauten entsicherte den Auslöser des Landefallschirms. Er musste seine ganze Willenskraft zusammennehmen, um zu warten, bis sie die richtige Höhe erreichten und er den Auslöser betätigen konnte. Die abrupte Abbremsung schleuderte die drei Männer wild durch die Kapsel. Sie verloren das Bewusstsein.
Die Feststoff-Bremstriebwerke mussten automatisch gezündet haben. Als die drei wieder zu sich kamen, lag die Kapsel auf der Seite, war jedoch unbeschädigt. Der Entriegelungsmechanismus der Ausstiegsluke war ebenfalls ausgelöst worden. War dies automatisch geschehen oder hatte es einer von ihnen bei halbem Bewusstsein getan?
Sie schwankten aus der Kabine und stellten fest, dass sie sich auf einer Lichtung befanden, die von Laubbäumen unbekannter Herkunft umsäumt war. Hoch über ihnen stand ein riesiger violetter Mond in einem Himmel mit unbekannten Sternkonstellationen.
In seinem bisherigen Leben war der Reisende bereits Spiele-Designer, Weltreisender, Unterwasser-Entdecker und Zivil-Astronaut gewesen. Nun war er ein Schiffbrüchiger auf einem fremden Planeten. Die nächsten Monate sollten die schwersten seines Lebens werden.
In dieser Nacht wurde ihr Lager von Waldschrecken angegriffen, Fleisch fressenden Baumbewohnern mit messerscharfen Klauen. In dieser wütenden Schlacht wurden die drei getrennt. Der Reisende selbst wurde von einem der Biester angefallen und schwer verwundet. Das Souvenir dieser Schlacht trägt er bis zum heutigen Tag mit sich: eine 12 cm große Narbe, die von seiner Stirn bis zu seiner Wange reicht.
Verwundet und ganz auf sich gestellt schleppte sich der Schiffbrüchige zu einer Art Dorf, dessen Einwohner, wie er später erfuhr, “Foreaner” genannt wurden. Sie nahmen ihn auf und pflegten ihn wieder gesund. Von diesem noblen Volk erfuhr er, dass er nicht der einzige Mensch auf diesem Planeten war. Im Südwesten lag eine Militärsiedlung der Erdlinge, die so genannte “Foreas-Basis”. Außerdem erfuhr er von den Bane. Es handelte sich um eine feindlich gesinnte, militärisch organisierte Streitmacht, die sich aus mehreren verschiedenen außerirdischen Rassen zusammensetzt. Die Bane hatten in ihrem Streben nach galaktischer Vorherrschaft den Planeten Foreas überfallen, wie so viele andere.
Die ganze Galaxis ... seine Galaxis ... war in einen riesigen interstellaren Krieg verstrickt.
Der Angriff der Bane auf Thoria Das erfolgte noch, bevor seine Wunden völlig geheilt waren. Das unbewaffnete Dorf wurde in kürzester Zeit überrannt. Die Thrax, eine krustentierartige Kriegerrasse, die den größten Teil der Bane-Truppen stellte, brachten die Gefangenen zu einem stark befestigten Gefängnis namens Torcastra.
Dort wurden der Schiffbrüchige und seine neuen foreanischen Gefährten monatelang gefangen gehalten. Es blieben immer weniger von ihnen übrig, da die Thrax-Aufseher wahllos Gefangene wegschleppten, um bei lebendigem Leib ihre grauenvollen Experimente an ihnen durchzuführen.
Doch der Reisende nutzte seine Zeit in Torcastra. Er freundete sich mit einem Foreaner an, einem Ältesten namens Randara. Durch ihn erfuhr er von den Eloh und von Logos. Randara lehrte ihm die Beherrschung der Kräfte von Logos, und es stellte sich heraus, dass er von Natur aus für sie empfänglich war. Sie übten insgeheim, wann immer sich ihnen die Gelegenheit bot. Sie schmiedeten Pläne und warteten auf ihre Chance.
Der Aufstand begann während eines Schichtwechsels der Wachen von Torcastra. Die ersten neuen Wachen wurden durch Logos-Angriffe niedergestreckt und entwaffnet. Randara hackte sich mithilfe von Logos in die Energieversorgung des Zellenblocks ein und konnte die Sperrfelder der restlichen Zellen abschalten, wodurch die Zahl der Aufständischen drastisch anstieg. Nach drei Stunden hatten die Gefangenen ihre Wächter überwunden und waren entkommen.
Als der Schiffbrüchige mit einem kleinen Trupp Logos-empfänglicher Foreaner an der Foreas-Basis eintraf, gerieten sie mitten in einen Bane-Angriff. Mit ihrer Unterstützung konnte der Angriff der Bane abgewehrt werden. Es war der erste Schritt zu der Allianz aus Menschen und Foreanern, die schließlich zur Gründung der Allied Free Sentients führte.
Der Reisende wurde von Commander Jayjack zum Debriefing abkommandiert, wo er dem Oberkommando die Erlebnisse seiner unglaublichen Odyssee bis zu diesem Tag schilderte. Bereits am Morgen des folgenden Tages sollte das Leben des Reisenden eine weitere überraschende Wendung nehmen. Sollte er sich den menschlichen Streitkräften anschließen, würde er mit sofortiger Wirkung den Rang eines Lieutenant Commander erhalten und die folgenden Aufgabenbereiche übernehmen: Zum einen sollte er als Verbindungsperson zwischen dem Ältesten-Rat der Foreaner in Daghdas Urne fungieren, zum anderen sollte er die Gründung eines akademischen Programms zur Erforschung von Logos und der Ausbildung von Logos-empfänglichen Personen, den so genannten Medien, einleiten. Er erfüllte beide Aufgaben besser als es sich das Oberkommando jemals erträumt hatte.
Nur knappe drei Monate später wurde der Lieutenant Commander im Rahmen der Feierlichkeiten zur Unterzeichung des Vertrages, der die Gründung der Allied Free Sentients offiziell besiegelte, erneut befördert.
Am Tag darauf begannen die Bane ihren Angriff auf die Erde, und der Exodus der Menschheit begann. Als der erste Stoß Flüchtlinge von der Erde von der Wurmloch-Plattform zum ersten Mal den Boden des vom Krieg gezeichneten foreanischen Planeten betrat, war General British, der Schiffbrüchige und Kriegsheld, zur Stelle, um sie willkommen zu heißen.







